Blick auf eine Baulücke in der Gutenbergstraße, Ecke Hebbelstraße
Baulücke in der Gutenbergstraße, Ecke Hebbelstraße © BKG, Foto: Sven Gatter

Potsdam

Wohnräume für Freidenker*innen

Landkreis: Kreisfrei, Landeshauptstadt

Einwohnerzahl: 178.089

Bekannt für: diverse Schlösser und Parks, nicht für besetzte Häuser

Potsdams Altstadt war nicht immer ein Magnet für Tourist*innen. Was kaum mehr vorstellbar ist: rund 70 illegal besetzte Häuser gab es hier in den 1980er und 1990er Jahren.

Verfallene Häuser mit Plakaten. Ein Banner trägt die Aufschrift: Die Schwarze Diktatur: Soziale Kahlschlag mit System.
Gutenbergstraße 1992 © Hassan Richter

Wer heute die Landeshauptstadt als Tourist*in bereist, möchte vor allem die einstige königliche Residenzstadt besichtigen und die preußischen Schlösser und Parks besuchen. Noch in den 1980er Jahren jedoch boten der Zerfall der Innenstadt und die leerstehenden maroden Häuser kein schönes Bild.

Hier entwickelte sich daraus ein Raum für Akteur*innen aus der alternativen Szene und der Bürger*innenbewegung, für verschiedene Jugendkulturen und sogenannte Schwarzwohner*innen.

Nach dem Mauerfall wurde Potsdam schließlich mehr und mehr eine Hochburg der Hausbesetzer*innenszene. Schon 1991 zählte die Stadt 35 besetzte Häuser und verfügte damit – gemessen an der Einwohner*innenzahl – über die höchste Besetzerdichte Deutschlands.

Vor allem in der Potsdamer Gutenbergstraße und im Holländischen Viertel gab es alternative Wohnkonzepte. Die freie Kunstszene Potsdams konnte sich in diesem Raum etablieren und trug wesentlich dazu bei, das kulturelle Leben in der Stadt zu fördern. Ein wichtiges Zentrum war dabei die »fabrik«, die 1990 von Kulturschaffenden in einem leerstehenden Brauereigebäude mitten in der Potsdamer Innenstadt gegründet wurde. 1993 eskalierte die Situation jedoch, als nach zweifacher Räumung und erneuter Besetzung das Haus in Flammen aufging. Mit Unterstützung der Stadt, die das kulturelle Leben durchaus förderte, wurde ein neuer Standort für die »fabrik« gefunden. Heute gehört sie zum Kulturstandort Schiffbauergasse, der ebenso für das »Waschhaus« und das Hans-Otto-Theater bekannt ist. Nach wie vor gibt es also eine sehr lebendige Potsdamer Kreativszene. Entstanden ist sie in den 1990er Jahren auch durch die Hausbesetzer*innen.

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»Ohne die Besetzungen in den 1980/90er Jahren würde es das Holländische Viertel heute so nicht geben.«

Helen Thein-Peitsch

Die Besetzerin

Helen Thein-Peitsch

In den 1980er Jahren war Helen Thein-Peitsch Punkerin und Schwarzwohnerin im Potsdamer Holländischen Viertel, heute arbeitet sie als Bibliothekarin. Das Konzert- und Tanzhaus fabrik, das 1990 aus einer Hausbesetzung entstand, hat sie mitbegründet.