Ein kegelfärmiges Betongebäude steht zwischen niedrigen Wohnblöcken in einem Kiefernwäldchen.
Ein übrig gebliebener Spitzbunker in einer Häusersiedlung, © BKG, Foto: Sven Gatter

Wünsdorf (Zossen)

Sperrgebiet!

Landkreis: Teltow-Fläming

Einwohnerzahl: 6120

Bekannt für: Militärgebäude, lost places und kreative Stadtentwicklungspläne

Etwa so groß wie das Saarland war die Fläche, die die sowjetischen Truppen auf dem Gebiet der DDR für sich beanspruchten. Etwa 6.000 Objekte wurden bis heute als eheamlige Sperrgebiete identifiziert.

Wohngebäude auf dem ehemaligen Sperrgebiet, © BKG, Foto: Sven Gatter

Das kleine Städtchen Wünsdorf war bis 1989 eines dieser Sperrgebiete. Der Ort war ab den 1950er Jahren Sitz des Oberkommandos der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Bis zu 75.000 Menschen aus der Sowjetunion lebten hier, zumeist Offiziere, ihre Familien und Hausangestellten. Sie lebten getrennt von der deutschen Bevölkerung, für die das Gelände Sperrgebiet war. Nur einige ostdeutsche Arbeiter*innen durften in das Sperrgebiet. Wünsdorf wurde deshalb auch »verbotene Stadt« genannt.

Erst 1994 erfolgte der endgültige Abzug der sowjetischen Truppen. Übrig blieben eine menschenleere Garnisonstadt und über 250 Hektar munitionsverdächtige Fläche. Zurückgelassene Kampfmittel und Müll mussten entsorgt werden. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) stand nun vor der Aufgabe, die Nachnutzung zu organisieren und ein wohnungspolitisches Konzept zu entwickeln.

Immer wieder interessierten sich Investoren für das Gelände und machten große Pläne. Einiges wurde bereits umgesetzt. Drei große Antiquariate sind in der Stadt ansäßig und geben ihr den Beinamen »Bücherstadt«. Die ehmaligen Bunker, die im Auftrag des Oberkommandos des Heeres der Wehrmacht gebaut wurden, sind heute eine Attraktion für Tourist*innen. Aktuell wird über eine neue Idee diskutiert: Wünsdorf als eine eco city, eine ökologische und international orientierte Planstadt. Laut dieser Idee würde sich die Stadt fast komplett selbst versorgen, die Bevölkerung soll dabei auch noch drastisch weiterwachsen. Die Kommunalpolitik ist jedoch nicht überzeugt von der Idee, die Durchführung steht noch in den Sternen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

»Von der ehemals ‚verbotenen Stadt‘ mit 35.000 Einwohnern war Wünsdorf von Heute auf Morgen eine Geisterstadt.«

Birgit Flügge
Portrait Birgit Flügge

Die Stadtplanerin

Birgit Flügge

Seit 1992 ist sie an der Umwandlung Wünsdorfs beteiligt. Zunächst arbeitete Birgit Flügge für die Landesentwicklungsgesellschaft »LEG Brandenburg« und unterstützt die Entwicklungskonzepte für die Zukunft Wünsdorfs. Seit 2006 leitet sie die »Entwicklungsgesellschaft Wünsdorf/Zehrensdorf (EWZ)«.