Ein rosa farbenes Wohnhaus im Stil der 1950er Jahre
Haus an der Ecke Straße der Republik, Karl-Marx-Straße, © BKG, Foto: Sven Gatter

Eisenhüttenstadt

Gute Platte, schlechte Platte?

Landkreis: Oder-Spree

Einwohnerzahl: 23.878

Bekannt für: Stahlwerk, sozialistische Stadtplanung, Schlaubetal

Was tun mit dem architektonischen Erbe der DDR? Darüber wird in vielen Städte das Landes diskutiert. Oft sind einzelne Gebäude betroffen, aber im Landkreis Oder-Spree geht es um eine ganze Stadt!

Ein hellgelbes Wohngebäude mit Erkern und einem Vorbau mit Säulen.
Wohnblöcke im Wohnkomplex II, © BKG, Foto: Sven Gatter

Das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt war das wichtigste Hüttenwerk in der DDR und trug dazu bei, dass die Stadt wirtschaftlich von hoher Bedeutung war. Auf Beschluss des III. Parteitages der SED entstand sie als Wohnort für das »Eisenhüttenkombinat Ost« und sollte die sozialistischen Ideale gemeinschaftlichen Wohnens erfüllen. Der nach der Wiedervereinigung einsetzende Strukturwandel zeigte auch hier seine Wirkung: Während 1990 noch 16.000 Menschen im Stahlwerk arbeiteten, sind es 30 Jahre später nur noch 2.500. Die Einwohnerzahl sank in der gleichen Zeit von 50.000 auf 24.000 – die ehemalige Planstadt ist zu groß geworden für die Menschen, die in ihr leben.

Durch das Programm »Stadtumbau Ost« sollte Abhilfe geschaffen werden. Ein Teil der inzwischen leerstehenden Plattenbausiedlungen am Rande der Stadt wurde abgerissen, um die Architektur des sozialistischen Klassizismus in der Innenstadt erhalten zu können. Diese gilt nach der erfolgreichen Sanierung als größtes Flächendenkmal Deutschlands. Dennoch bleibt das gemischte Gefühl der Einwohner*innen – wie kann die Zukunft der vergangenen Utopie aussehen? Einer, der mit dem Abriss aufwuchs, ist Martin Maleschka. Als er nach seinem Architekturstudium in die Stadt zurückkehrte, nahm er fotografisch Abschied von den Orten seiner Kindheit. Heute ist er mit seinem Interesse an der Platte nicht mehr allein: Seine Stadtführungen erfreuen sich großer Beliebtheit, Tausende folgen seinen Fotografien in den sozialen Medien.

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»Wenn du siehst, deine Heimat wird abgerissen und parallel studierst du Architektur und sollst dich mit dem Aufbau von Gebäuden beschäftigen – das ist total gegenläufig.«

Portrait Martin Maleschka

Der Bewahrer

Martin Maleschka

Der Architekt interessiert sich besonders für die baubezogene Kunst in der DDR: Zur »Kunst am Bau« in der DDR hat er ein Archiv geschaffen. Weil Martin Maleschka nicht nur zusehen wollte, wie das Erbe der Ostmoderne verschwindet, setzt er sich für den Erhalt ein und hält die Gebäude in Fotografien fest.