Der Innenhof des ehemaligen Zuchthauses. Zwei Backteingebäude mit vergitterten Fenstern.
Das ehemalige Zuchthaus in Cottbus © BKG, Foto: Sven Gatter

Cottbus

Ein Gefängnis zum Gedenken

Landkreis: Kreisfreie Stadt

Einwohnerzahl: 100.219

Bekannt für: Fußball, Jugendstilhäuser und Fürst Pückler

Das ehemaliger Cottbuser Zuchhaus blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Die Geschichte des hier geschehenen Unrechts geriet weitestgehend in Vergessenheit, bis ehemalige Häftlinge hier einen Gedenkort einrichteten.

Zwei große Backsteingebäude mit Gittern an den Fenstern. Der untere Teil der Gebäude ist weiß angemalt, daneben stehen kleine Wachhäuschen.
Heute erinnert eine Gedenkstätte an das Zuchthaus © BKG, Foto: Sven Gatter

Schon 1860 diente das Cottbuser Zuchaus als königliches Zentralgefängnis. In den 1930er Jahren war in dem Gebäude ein Jugend-, Männer- und Frauengefängnis untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg inhaftieren die Nationalsozialist*innen hier ausschließlich Frauen. Nach Kriegsende zählte das Cottbuser Gefängnis zu den bedeutendsten Haftanstalten für politische Gefangene in der DDR. 1983 waren hier 540 Menschen inhaftiert, 340 davon wegen versuchter Republikflucht. Einer von ihnen, Werner Greifendorf, machte auf besonders tragische Weise auf die Haftbedingungen aufmerksam: 1978 setzte er sich auf dem Gefängsnisinnenhof selbst in Brand. Drei Wochen später starb er im Krankenhaus an seinen Verbrennungen.

Werner Greifendorfs Schicksal ist ein Beispiel für das Unrecht, das in den Gefängnissen der DDR herrschte. Ehemalige Häftlinge haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung daran aufrechtzuerhalten. Sie gründeten 2007 den Verein Menschenrechtszentrum Cottbus und kauften 2011 das vormalige Gefängnis mithilfe des Landes und privater Spender*innen für fast eine halbe Million Euro. Die »Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus« eröffnete ein Jahr später. Ihr Ziel ist es, aus den Geschehnissen in der DDR auch Lehren für aktuelle Ungerechtigkeiten zu ziehen.

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»Von dem Gefängnis in Cottbus wusste man eigentlich nichts. Selbst die Bevölkerung wusste, dass es hier ein Gefängnis gibt, aber was sich hier abspielte, wer hier einsitzen musste, das war weitgehend unbekannt.«

Christoph Polster
Portrait Christoph Polster

Der Stadtbekannte

Christoph Polster

Der Pfarrer im Ruhestand war nach dem Mauerfall Teil des Auflösungskomitees der Staatssicherheit und der Umweltgruppe Cottbus. Christoph Polster mischt überall mit, wo es um Aufarbeitung, Versöhnung und Toleranz geht: im Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., im Verein Aufarbeitung Cottbus, in der Initiative Cottbus ist bunt oder in seiner Gemeinde.