Blick auf den Campus der Universität Frankfurt (Oder)
Universitätscampus © BKG, Foto: Sven Gatter

Frankfurt (Oder)

Auf dem rechten Weg

Landkreis: Freie Kreisstadt

Einwohnerzahl: 57.751

Bekannt für: die Europa-Universität, die Grenzbrücke über die Oder zur Zwillingsstadt Słubice (Zigaretten, Benzin und Spargel)

Der Bürgermeister René Wilke bezeichnete die Doppelstadt Frankfurt (Oder) – Słubice bei seiner Antrittsrede im Jahr 2018 als »Leuchtfeuer der Hoffnung für die europäische Idee«. Doch bis es soweit kam, musste viel passieren.

Ein Hochhaus mit der Aufsschrift: der Oderturm
Der Oderturm © BKG, Foto: Sven Gatter

Als eine der 15 Bezirkshauptstädte der DDR wurde Frankfurt 1990 zur kreisfreien Stadt in Brandenburg. Das Halbleiterwerk schloss trotz vieler Hoffnungen auf eine Zukunftsindustrie nach den Treuhand-Verhandlungen. Damit entfielen Hauptarbeitgeber und Folgebetriebe. In dieser harten Zeit stellte die Gründung der Europa-Universität Viadrina 1991 einen Hoffnungsschimmer dar. Nach der Einführung des visafreien Grenzverkehr zwischen Polen und Deutschland, kam es zu massiven Gewalttaten gegen polnisch Staatsbürger*innen – Hass und Hoffnungslosigkeit entluden sich. Frankfurt wurde zu einem Zentrum rechter Gewalt und Radikalisierung junger Menschen mit einem zweifelhaften Ruf über die Landesgrenzen hinweg. Am 29. März 2003 wurde der Frankfurter Enrico Schreiber, der zur Punkszene gehörte, von lokalen Neonazis in seiner Wohnung erstochen. Durch Wegzug verkleinerte sich die Einwohner*innenzahl stetig von 80.000 auf 60.000.

Mit der Osterweiterung der Europäischen Union im Jahr 2004 und dem Schengen-Beitritt Polens im Jahr 2007 hat sich in der Grenzstadt viel geändert. Die beiden Städte sind zu einem Vorbild für grenzüberschreitende Kulturräume geworden und kooperieren auf vielen Ebenen, bis hin zum öffentlichen Nahverkehr. Das Kulturprojekt Slubfurt – eine Zusammenlegung beider Stadtnamen –  das einen grenzüberschreitenden Kulturraum schafft, ist neben dem deutsch-polnischen Theaterfestival UNIthea eines von vielen Projekten der Studierenden. Es gibt eine enge inhaltliche und räumliche Kooperation mit dem Centrum Polonicum in Słubice, eine Zweigstelle der polnischen Universität in Poznań. Das Brandenburgische Staatsorchester, das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst, das Kleist-Museum, eine lebendige Theaterszene und viele internationale Studierende bereichern das städtische Leben.

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»Die Gewalt in Frankfurt (Oder) war komplett irrational. Ich habe immer Turnschuhe gehabt, ich habe mir nie Dr. Martens-Schuhe gekauft, weil ich wusste, ich muss jederzeit zum Rennen bereit sein. Und das möchte ich nie wieder erleben.«

Christian Bangel
Porträt von Christian Bangel, Fotograf Sven Gatter

Der Beobachter

Christian Bangel

Der Buchautor und Journalist ist gebürtiger Frankfurter. Nach einem Zwischenstop in Hamburg lebt er in Berlin und berichtet mal kritisch, mal enthusiastisch über seine Heimatstadt und Brandenburg. Christian Bangel schreibt in den sozialen Medien unter #baseballschlaegerjahre über die Radikalisierung der Städte und Dörfer in Brandenburg der 1990er.